Der Verein

Seit 1898 besteht der Musikverein

Beim Blättern im historischen Material ergibt sich, dass bereits im Jahre 1868 einige Musikanten bei besonderen Anlässen ihr Können zum Besten gaben. Meistens wurden Familienfeiern, Feste und kirchliche Anlässe musikalisch umrahmt. So war es auch nach schriftlichen Überlieferungen bei der Hochzeit des Großvaters von Karl und Wilhelm Zanger. Als Hochzeitsmusikanten spielten im Gasthaus Krone Münchweier die Musiker Josef Kunz, dessen Sohn Eduard, Irenäus Zanger, Karl Bierwirth und Karl Enderle.
Aber auch schon bei der Grundsteinlegung der neuen Kirche im Jahre 1828 und bei der Einweihung der Kirche im Jahre 1829 haben bereits Musikanten mitgewirkt. Die Art der Instrumente und die Zahl der Mitwirkenden ist nicht mehr bekannt.
Den Grundstock für die Gründung des Vereins legte ein Lehrer. Wilhelm Wiedemer wurde im April 1887 von Breitnau als Hauptlehrer an die Schule nach Münchweier versetzt. Seiner Initiative und Liebe zur Musik ist es zu verdanken, dass schon im November 1897 sich eine Anzahl von Musikern zusammenfand und die ersten Gehversuche in Sachen Musik machte. Große Schwierigkeiten hatte man jedoch am Anfang mit der Beschaffung von Instrumenten und Notenmaterial. Größtenteils durch freiwillige Spenden der Bevölkerung konnten diese bald finanziert und angeschafft werden. So konnten sich im Frühjahr 1898 die Musiker mit ihrem Dirigenten Wiedemer Sonntag für Sonntag im Lautenbach zu Marschmusikproben treffen.

Die Vereinsgründung erfolgte dann am 24. April 1898, hierbei hatten die Musiker auch gleichzeitig ihren ersten öffentlichen Auftritt. Mit Marschmusik zog man durch das Dorf, um den Einwohnern das erworbene Können zu demonstrieren.

Als Gründungsmitglieder sind folgende Personen genannt:
Karl Ibig, Gustav Pfisterer, Gustav Schmidt, Andreas Eisele, Josef Siefer, August Burger, Adolf Singler, Friedolin Schmieder, Karl Tränkle, Augustin Eisele, Christian Pfisterer, Franz Josef Kempf, Gotthard Beile, Emil Rehm, Emil Enderle, Martin Rehm, Franz Ramstein, Heinrich Rieder, Julius Ibig, Emil Gottwald, Augustin Brender, Albert Götz, Josef Rieder, Emil Steiner, Eduard Burger, Franz Gottwald, Stefan Beile, Franz Breig.

Die erste Vorstandschaft setzte sich wie folgt zusammen:
Vorsitzender: Karl Ibig
Beiräte: Josef Rieder, Emil Gottwald, Josef Schwarz, Sebastian Eisele
Rechner: Franz Gottwald Schriftführer: Adolf Singler
Dirigent: Wilhelm Wiedemer

Ein Blick in die ersten Aufzeichnungen des Rechners Franz Gottwald zeigt den Eintrag einer großen Zahl von Vereinsbeiträgen von passiven Mitgliedern. Das wiederum beweist die spontane große Akzeptanz des Vereins im Dorf.
Nicht lange durfte sich die junge Kapelle ihres ersten Dirigenten erfreuen, denn bereits 1900 verstarb Wilhelm Wiedemer im Alter von 47 Jahren. Eine schlichte Gedenktafel auf seinem Grab auf dem Friedhof in Münchweier erinnert heute an sein Wirken. Dem Vereinsleben des Musikvereins wurde durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges ein jähes Ende bereitet. Zwei Musiker, Friedrich Burger und Heinrich Rieder, mussten im Krieg ihr Leben lassen. Schon im Januar 1919 trafen sich einige alte Musiker unter der Leitung von Karl Ibig und beschlossen die Wiederaufnahme des Vereins. Ibig stellte auch seine Wohnung als Proberaum zur Verfügung. Baßbläser Theodor Hug gab vielen jungen Musikern den ersten Schliff und so konnte sehr bald wieder aktiv musiziert werden. Im Jahre 1923 wurde Malermeister Wilhelm Wangler zum 1. Vorsitzenden gewählt.

Eines der ältesten Fotos der Musikkapelle Münchweier im Jahre 1914. Dieses Bild entstand auf der Rathaustreppe.

Der erste Bericht des Musikvereins in der noch heute erhaltenen Vereinschronik anno 1899. Dieses Buch diente dem Verein bis 1966. Erster Eintrag war vom damaligen Vorsitzendem Karl Ibig. Letzter Bericht 1966 von Eugen Enderle.

Die Gemeinde stiftete zur Beschaffung von weiteren Instrumenten 1000 Reichsmark. Großen Auftrieb brachte auch das, über die Pfingsttage 1928, gefeierte 30-jährige Jubiläum des Vereins.
Der 2. Weltkrieg unterbrach erneut die Vereinsarbeit. Der größte Teil der Musiker wurde zum Kriegsdienst eingezogen. Zehn Musiker kehrten nicht mehr in die Heimat zurück.
Wenige Monate nach Kriegsende war es der alte Musikgeist, der den Idealisten August Weiß mit wenigen, aus dem Kriege und Gefangenschaft heimkehrenden Musikern auf den Plan rief, um nach der Kriegszeit den Musikverein Münchweier neu entstehen zu lassen. Mit 16 jungen Musikern begann im September 1945 die mühevolle Probenarbeit. Am Weißen Sonntag 1946 traute man sich unter der Leitung von August Weiß an den ersten Auftritt. August Weiß war lange Zeit aktiver Musiker, mehrere Jahre Dirigent und Ehrenmitglied des Vereins. Ohne Zweifel muss ihm heute bescheinigt werden, dass er in der Nachkriegszeit den Grundstein zu neuem, fruchtbarem Wachsen des Vereins legte.
Am 14. März 1948 fand man sich unter den ganz strengen Auflagen der damaligen Militärregierung zur ersten ordentlichen Generalversammlung zusammen. Hier wurde auch eine neue Vereinssatzung verabschiedet und Josef Ibig als Vereinsvorsitzender gewählt. Im gleichen Jahr beging die Kapelle über die Pfingstfeiertage ihr 50jähriges Jubiläum. Eine besondere Attraktion zum Anlass des Festes war das von Lehrer Müller eingeübte Theaterstück „Der Vogt auf Mühlstein“, das bei den Zuschauern so gut ankam, dass es mehrere Male aufgeführt werden musste. In größerem Rahmen feierte man 1958 das 60jährige Bestehen des Vereins. Ab 1960 übernahm Berthold Trenkle die Vorstandschaft, die er 10 Jahre leitete. In den folgenden Jahren konnte der Verein herausragende Erfolge in musikalischer Hinsicht erzielen. Mehrere Jahre wechselten Gartenfeste und Waldfeste einander ab. Groß war auch der Zugang von Jungmusikern, so dass im Jahre 1963 eine Jugendkapelle gegründet wurde. Mit beachtlichem Zuschuss der Gemeinde wurden zum bevorstehenden 70jährigen Jubiläumsfest für 45 Musiker neue Uniformen angeschafft. Vom 31. August bis zum 2. September 1968 feierte der Verein sein 70jähriges Bestehen. 1973 konnte der damalige Vorsitzende Emil Zanger zum 75jährigen Jubiläum einladen.

1948 wurde das Theaterstück „Der Vogt auf Mühlstein“ mehrere Male aufgeführt. Dieses Theaterstück entstand im Rahmen des 50jährigen Jubiläums. Einstudiert wurde es vom damaligen Lehrer Müller.

Danach fand eine Ablösung am Dirigentenpult statt. Nach 18jähriger Tätigkeit als Dirigent übergab Rudolf Geiger den Dirigentenstab an Norbert Voll, der am 17. Februar 1974 seine Tätigkeit aufnahm. Ein wichtiger Bestandteil des Vereinslebens waren die vor allem nach dem Krieg sich jährlich wiederholenden Theateraufführungen im Rahmen der Weihnachtsfeiern, die mit viel Engagement der Aktiven aufgeführt wurden und große Resonanz in der Bevölkerung fanden.
In der Generalversammlung im März 1975 erfolgte ein Wechsel im Vorstandsamt, Emil Zanger übergab die Amtsgeschäfte zunächst für ein Jahr an Hansjörg Schmieder, der im weiteren Verlauf das Amt als 1. Vorsitzender für insgesamt 17 Jahre ausfüllte.

60 Jahre Musikverein Münchweier im Jahre 1958

Die Jungmusiker des Vereins erreichten in diesem Jahr ein erstaunliches Niveau, was sie mit einem beachtlichen 1. Rang beim Wertungsspiel in Reichenbach bewiesen. Im 2. Halbjahr 1977 kommt es zu einem Wechsel in der musikalischen Leitung des Vereins. Georg Leberl löst Norbert Voll in diesem Amt ab und dirigiert die Kapelle zum ersten Mal bei der Weihnachtsfeier 1977.

75-jähriges Jubiläum im Jahre 1973

Das Jahr 1978 steht ganz im Zeichen des 80jährigen Jubiläums, das im großen Stil auf dem Festplatz gefeiert wurde. Der Verein verliert mit August Weiß in diesem Jahr eine markante Persönlichkeit, die durch langjährige Dirigententätigkeit und Aufbauarbeit nach dem 2. Weltkrieg dem Verein wichtige Impulse gegeben hat.
1979 tritt Werner Hug das Dirigentenamt an. Er prägte in den folgenden 12 Jahren entscheidend den musikalischen Stil der Kapelle und war ein Garant für musikalische Kontinuität und Kameradschaft im Verein. Im selben Jahr wurden die Kontakte zu der Musikkapelle von Unlingen durch einen Besuch und der Beteiligung an einem dortigen Wertungsspiel vertieft. Auch wurde eine Einladung des Kirchenchors von Bergkamen angenommen und somit der Grundstein für eine bis heute andauernde Freundschaft gelegt. Die Sänger von Bergkamen wurden 1981 im Gegenzug zu einem fünftägigen Besuch nach Münchweier eingeladen, ein Startschuss für viele weitere gegenseitige Besuche.
1983 erreicht der Musikverein Münchweier mit der Zahl von 47 Aktiven wieder einen sehr hohen Mitgliederstand – das Ergebnis einer konsequent guten Jugendarbeit im Verein.
Ein Name ist in diesem Zusammenhang besonders hervorzuheben: Gerhard Weisbach. Durch seine langjährige Tätigkeit als Jugendleiter und seiner Initiative zur Gründung des Vereins zur Förderung der Jungmusiker e.V. gab er dem Verein wertvolle Impulse und ermöglichte durch finanzielle Unterstützung eine fundierte Jugendausbildung. Die finanziellen Mittel hierfür wurden u. a. durch die Teilnahme der Jungmusiker am Kirchbergfest aufgebracht.
Im August des Jahres 1988 feierte der Musikverein sein 90jähriges Jubiläumsfest. Nach langer und erfolgreicher Tätigkeit als Dirigent übergibt Werner Hug im Rahmen des Maikonzertes 1991 den Taktstock an seinen Nachfolger Ralf Weber aus Rust.
Im Jahre 1992 kommt es zu einer größeren Umgestaltung der Vorstandschaft. Alte bewährte Mitglieder scheiden aus: Hansjörg Schmieder nach 17 Jahren als erster Vorsitzender, Wolfgang Burger nach 10 Jahren als 2. Vorsitzender und Gustav Schmidt nach 22jähriger Schriftführertätigkeit. Zum neuen Vorsitzenden wird Wolfgang Schaudt gewählt.

80 Jahre Musikverein Münchweier

Einen schmerzvollen Verlust erleidet der Verein im Jahr 1993. Nach schwerer Krankheit stirbt Gerhard Weisbach. Mit ihm verliert der Musikverein einen Menschen, der mit Leib und Seele für die Musik da war und durch seine Initiativen und seine Arbeit für den Verein sich unschätzbare Verdienste erworben hat, ihm gebührt auf diesem Wege höchste Anerkennung und Wertschätzung. In seinem hundertsten Jubiläumsjahr hat der Musikverein Münchweier durch die Integration von vielen Zöglingen die beachtliche Stärke von 47 Aktiven erreicht. Auch das musikalische Niveau der Kapelle kann sich hören lassen, ein Verdienst der guten und kompetenten Probenarbeit des Dirigenten Ralf Weber. Eine gute Kameradschaft und viele Aktivitäten im Jahreskreis zeichnen das Vereinsleben aus und geben allen Grund zu großem Optimismus für die Zukunft. Ein großer Zustrom von Jugendlichen und deren Ausbildung garantiert auch künftig einen guten aktiven Mitgliederstand des Vereins, eine Basis, auf der Vereinsleitung, Musiker und Dirigent aufbauen können, sodass der Verein sicher ins Jahr 2000 geleitet werden kann.

Der Musikverein Münchweier traf sich zu einem Foto kurz vor Abfahrt zu einem Ausflug. Man sieht es den fröhlichen Gesichtern an. Dies war kurz vor dem 90jährigen Jubiläum.

Der Verein ist sicher ins Jahr 2000 geleitet worden. In diesem Jahr wurde am 26. Mai der erste Dämmerschoppen veranstaltet. Dieser fand auf dem Parkplatz des Gasthauses zum „Rebstock“ statt, wo die Musiker zu Speis und Trank unter freiem Himmel musizierten. Dieses kleine Fest begegnete großer Resonanz. Mittlerweile veranstaltet die Kapelle den Dämmerschoppen auf dem Festplatz in Münchweier und erfreut sich jährlich über steigende Besucherzahlen. Im Jahre 2008 wurde zum ersten Mal ein Dämmerschoppen auf Gegenseitigkeit mit dem Nachbarverein aus Ettenheimmünster veranstaltet. Hierbei spielte die jeweilige Gastkapelle im Nachbardorf, während der heimische Verein das eigene Fest bewirtete.

Das Jahr 2002 verbarg für den Musikverein Münchweier eine starke Veränderung. Nach 11 Jahre langer Zusammenarbeit mit dem Dirigenten Ralf Weber, legte dieser, zum Bedauern aller aktiven Musiker, seinen Taktstock nieder. Den dadurch erhofften neuen Schwung brachte sein Nachfolger Thomas Daub, welcher 2007 nach einigen sehr erfolgreichen Jahren den Verein aus persönlichen Gründen verließ. Nun befanden sich der Verein und sein, im Jahre 2004 neu gewählter 1.Vorstand Gustav Schmidt, wieder auf der Suche nach einer musikalischen Leitung. Nach etlichen Bewerbern entschied man sich für Karin Herr, die 2007, gemeinsam mit dem Verein das traditionelle Maikonzert meisterte. Doch auch diese Partnerschaft war nicht von Dauer. Im Verein traten Unstimmigkeiten und Probleme auf, weshalb Karin Herr noch zum Ende desselben Jahres ihr Amt abgab. Da dies alles sehr plötzlich geschah und man sich Zeit lassen wollte bei der Nachfolgersuche, übernahm kurzerhand der, dem Verein bekannte Dirigent Ralf Weber, zum zweiten Mal die musikalische Leitung des Vereins. Dieses Mal allerdings nur vorübergehend. Bereits im Januar 2008 löste ihn Christian Sade am Dirigentenpult ab. Der gebürtige Franzose brachte neue Ideen und viel Kreativität in den Verein. So wurde das damalige Maikonzert ohne Ansage, dafür mit einem Schauspiel aufgeführt, was auf große Begeisterung der Besucher stieß. Bis heute wird der Verein von Christian Sade dirigiert.

Der Musikverein 2019